Spendenaktion für die syrische Familie M. (8.5.15)

Liebe Mitstreiter und Interessierte aus und um Moabit,

für die Behörden ist es Alltag, ein Einzelfall unter vielen. Für Schlepper ein lukratives Geschäftsmodell.
Für die Betroffenen ist die Abschiebung gemäß der Dublin III-Verordnung das Horrorszenario schlechthin.
Aus der Sicht von „Moabit hilft!“ politisches Totalversagen.

Als wäre das Trauma des Krieges in der Heimat und der Weg nach Europa nicht genug, musste und muss die syrische Familie M. in Berlin bestehend aus Vater (36) und Sohn (10) noch den Konflikt mit den Behörden durchstehen.
Nach Monaten des Krieges und der Flucht wurde der Aufenthalt in Berlin erstmals zu einem Stück Normalität für den durch Krieg und Flucht schwerst traumatisierten Jungen und seinen Vater. Ein Therapieplatz bei einem Kinderpsychiater, einen Schulplatz und Unterstützung durch verschiedenste Initiativen ebneten einen Weg der aussichtsreich schien. Die Mutter und zwei weitere Kinder sind in der Türkei und hofften auf Familiennachzug in die Bundesrepublik.

Nach 8 Monaten in Berlin wurde die Familie am 9. April 2015  um 5 Uhr morgens durch die Polizei aus dem Schlaf gerissen und nach Ungarn abgeschoben. Unberücksichtigt dessen, dass das Berliner Verwaltungsgericht in einem ähnlichen Fall bereits die Überstellung wegen systemischer Mängel im ungarischen Asylsystem gestoppt hatte und eine mehrmals durch verschiedene Ärzte bestätigte Reiseunfähigkeit des Jungen vorlag. (siehe Pressemitteilung der Senatsverwaltung vom 19.1.2015)

Aufgrund des kollabierten Aufnahmesystems in Ungarn und der miserablen Lebensumstände in gefängnisartigen Asylheimen waren es von Anfang an unzumutbare Zustände für den erkrankten Jungen im „Asylheim Bicske“ bei Budapest. Das ausgegebene Essen war für Menschen schlicht ungenießbar oder nicht vorhanden. Der Vater sah sich dazu verpflichtet, für die Ernährung seines Sohnes selbst aufzukommen. Somit war die Familie gezwungen außerhalb des Heimes einzukaufen (siehe Berichte zu den Asylleistungen in Ungarn – PDF). Der Vater wurde mehrmals für Arbeiten des Heimbetreibers herangezogen. Er sammelte Müll und reinigte die Anlage auf Anweisung.

Flüchtlinge bekommen in Ungarn monatelang keine finanzielle Unterstützung vom Staat und sind auf sich allein gestellt. Es werden ausschliesslich Lebensmittel von minderer Qualität ausgegeben. Eine ärztliche Versorgung ist nicht gewährleistet. Der Vater hat derweil von Familienmitgliedern, Freunden und Initiativen die letzten finanziellen Ressourcen abgeschöpft, um nach Deutschland zurückkehren zu können. Derzeit ist die Familie überschuldet und sieht keinen Ausweg aus dieser schwierigen Situation.

Die Abschiebung war und ist aus der Sicht unserer und vieler anderer Flüchtlingsinitiativen aufgrund der Lage in Ungarn mit den Menschenrechtskonventionen nicht vereinbar.
Die Familie befindet sich nach einem fast dreiwöchigen Aufenthalt in Ungarn nun wieder in Deutschland.
Ein Rechtsanwalt ist dabei, das Asylverfahren neu aufzurollen.
Einen gewissen Anteil der entstandenen Kosten konnten wir bereits durch Spenden aufbringen, aber es entstehen weitere Kosten. Die Geschichte der Familie M. ist nur eines von vielen Schicksalen die uns täglich begegnen, daher bitten wir Euch sehr um Eure Mithilfe.

Es fehlt nicht nur an juristischen Beistand sondern auch dringlichst an Fahrkarten, Schul- bzw. Lehrmitteln und vielen anderen kleinen Dingen des täglichen Bedarfes, die durch unsere Bedarfslisten bisher nicht gedeckt werden konnten.
Wir sind für jede noch so kleine Geldspende und das mannigfaltige Teilen diese Aufrufes äußerst dankbar!

Hier findet Ihr unser Spendenkonto.

Euer Moabit hilft ! Team