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Pressemitteilungen

22.06.2016
Solidarität mit dem linken Wohnprojekt Rigaer Straße

Am heutigen Morgen erreichte uns die Nachricht, dass das Haus Rigaer Straße 94 derzeit geräumt wird. Die Berliner Polizei rückte mit einer 300 BeamtInnen starken Mannschaft an. Eine ungeklärte Anzahl von Securities war in diesen Einsatz involviert.
Laut unserem jetzigen Kenntnisstand und Aussage der Hausverwaltung, geht es darum, 2 Mieteinheiten im Erdgeschoss unter Polizeiaufsicht zu sanieren, um danach dort bei einer ortsüblichen Miete, Flüchtende unter zu bringen.
Friedrichshain hilft e.V.i.G. und Moabit hilft e.V. sind von dieser Maßnahme, flüchtenden Menschen Wohnraum zu schaffen, nicht in Kenntnis gesetzt worden. Seltsam ist die Tatsache, dass die ortsübliche Miete für eine Kostenübernahme der Träger (LAGeSo, Jobcenter) nicht im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben liegt und somit nicht für Flüchtende genutzt werden kann.
Friedrichshain hilft e.V.i.G. und Moabit hilft e.V. verbindet eine sehr enge Beziehung zur Rigaer Straße 94, da die Bewohner als Erste kostenlosen Wohnraum für Friedrichshain hilft e.V.i.G. als Spendenkammer zur Verfügung gestellt und besonders schutzbedürftigen Flüchtenden mittelfristig Unterkunft gewährt haben.
Die Aktion der Berliner Polizei in Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung erscheint uns zynisch, da die Rigaer Straße bis dato von Flüchtenden als Begegnungs- und Rückzugsort rege in Anspruch genommen wurde.
Wir verurteilen das Verhalten des Senats und der Hausverwaltung aufs Schärfste.
Die genannten Wohnungen können nicht als Unterkunft für Flüchtende genutzt werden, deswegen gehen wir davon aus, dass dieser Einsatz lediglich dazu dient, die Bewohner des Hauses weiteren Repressalien zu unterziehen, damit diese das Haus selbstständig verlassen.
 
Ronja Lange
-Moabit hilft e.V.
 
Thorsten Buhl
-Friedrichshain hilft e.V.i.G

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11.11.2015
Kernteam von „Moabit hilft“ um Diana Henniges, Christiane Beckmann und Ebru Schäfer stellen Verein neu auf. Laszlo Hubert und sechs weitere Mitglieder verlassen den Verein.

Im Rahmen der Umwandlung von der Bürgeriniative „Moabit hilft“ zu einem gemeinnützigen Verein „Moabit hilft e.V.“ gibt es eine Änderung im Vorstand. Eine Gruppe von Vereinsgründungsmitgliedern um Vorstand Laszlo Hubert hat auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am gestrigen Abend gegen die Aufnahme von verdienten und sehr wichtigen UnterstützerInnen in den Verein ohne Angaben von Gründen gestimmt und diese damit verhindert.
Diana Henniges, Gründerin der Bürgerinitiative „Moabit hilft“ und Vorstand im Verein, wurde zudem gestern aufgefordert, den Vorstandsitz zurückzugeben und aus dem Verein auszutreten, welchem sie nicht folgte. Laszlo Hubert zog heute mit seiner Ankündigung, aus dem Verein auszutreten, die Konsequenzen.
Diana Henniges: „Wir begrüßen den Austritt, da wir nicht gewillt sind, Machtkämpfe innerhalb eines Vereins auszufechten. Wir benötigen unsere gesamte Kraft für die geflüchteten Menschen in Not. Machtpolitische Grabenkämpfe, die nicht der Sache dienen, sind überflüssig. Wir haben keine Energie für Ränke und Machtspiele innerhalb eines Vereins, der nun in seiner Größe Begehrlichkeiten bei manchen wecken mag. Für uns steht die Unterstützung der geflüchteten Menschen im Vordergrund. Ein massiver Vertrauensbruch ist leider entstanden. Langjährige UnterstützerInnen, die seit Monaten ehrenamtlich und mit großem Zeit- und Energieeinsatz versuchen, die katastrophale Lage am Lageso zu mildern und /oder sich seit Jahren für die Belange von Moabit Hilft in anderen Bereichen engagieren, nicht in den Verein aufzunehmen, ist nicht nachvollziehbar und zeichnet ein eindeutiges Bild. Verleumdungen und Unterstellungen werden wir nicht hinnehmen. Spekulationen zu Unregelmäßigkeiten im Geldfluss weisen wir von uns.”
„Moabit hilft“ wird in Zukunft glücklich sein, die Menschen im Kreise der Mitgliederschaft begrüßen zu dürfen, die sich seit Wochen und Monaten um die unten genannten Ziele verdient gemacht haben bzw. diese zukünftig unterstützen möchten.
Wir setzen uns weiter mit unserer Energie, unserem Sachverstand und Herzen, unserem Netzwerk an außergewöhnlich tollen Menschen für geflüchtete Menschen ein.
Wir danken allen HelferInnen und UnterstützerInnen von ganzem Herzen für die unglaubliche Bereitschaft in den vergangenen Monaten beim Organisieren, Verpflegen, Betreuen, Unterbringen, Transportieren usw. und für ihr Mensch-Sein. Das hat uns unglaublich geholfen und bestärkt in unserem Tun.
Wir machen weiter und freuen uns über jede Unterstützung auch in Zukunft. Wir bitten um Verständnis für die Neustrukturierung und bedanken uns für euer Vertrauen“.
Weitere Infos:
Die Ziele von „Moabit hilft“ sind nach wie vor:
– die humanitäre Versorgung von Geflüchteten am LAGeSo zu verbessern
– den Geflüchteten materielle, soziale und alltagspraktische Hilfeleistungen zu gewährleisten – lokale Institutionen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, zu vernetzen
– die Arbeit der ehrenamtlichen HelferInnen vor Ort am LAGeSo zu koordinieren
– mit Spenden, die wir verwalten, u.a. die nach wie vor katastrophale Lage der „Altkunden“ des LAGeSo zu verbessern und Projekte für geflüchtete Menschen zu unterstützen
“Moabit hilft“ und das Kernteam um Diana Henniges (Christiane Beckmann, Ebru Schäfer, Ronja Lange, Mareike Wenzel und Daniela Grebe) arbeitet nach wie vor stark engagiert auf dem LAGeSo Gelände und ist somit Ansprechpartner sowohl für das LAGeSo als auch für die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.
„Moabit hilft“ ist in den relevanten Gremien und politischen Koordinationsstäben auf kommunaler und Landesebene repräsentiert.

Das Kernteam von „Moabit hilft“
Diana Henniges
Christiane Beckmann
Ebru Schäfer
Ronja Lange
Mareike Wenzel
Daniela Grebe

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08.10.2015
MOABIT HILFT“ fordert weitreichende Lösungen von den politisch Verantwortlichen für den katastrophalen Zustand am LAGeSo

Entgegen aller Behauptungen und Mutmaßungen durch Politik und Medien organisieren, kochen, sortieren, behandeln, pflegen, bespaßen, informieren, betreuen, begleiten, trösten, transportieren, aktivieren die ehrenamtlichen Unterstützer*innen der Bürgerinitiative „Moabit hilft“ nach wie vor am LAGeSo. Und das oft 15 Stunden am Stück, Tag und Nacht, sieben Tage die Woche.
UNENTGELTLICH.
Entgegen aller Behauptungen seitens der Politik und Verwaltung ist gar nichts gut. Die Strukturen des LAGeSo sind intern bereits zusammengebrochen. Die ehrenamtlichen Helfer*innen verhindern noch größeres Chaos und managen seit Wochen mit einem großen Kraftaufwand den Ausnahmezustand auf dem Gelände. Tagtäglich kommen bis zu 500 in die Turmstraße 21, um sich registrieren zu lassen. Die verzweifelten, wartenden Menschen werden Tag für Tag immer verzweifelter und der Winter steht vor der Tür. Nachweislich warten die Menschen vom Zeitpunkt des Anstellens für eine Nummer zur Registrierung bis zur Ausgabe der ersten Unterlagen bis zu 57 Tagen.
Jeden Tag, fast zwei Monate!
„Moabit hilft“ klagt die Senatsverwaltung an:
Besonders Schutzbedürftige bleiben unversorgt, das Asylbewerberleistungsgesetz bleibt über Wochen unberücksichtigt. Wenig bis gar kein Geld, keine Krankenversorgung, mangelhaftes Essen und noch schlechtere Informationspolitik. Die Folge ist ein katastrophaler Ausnahmezustand.
Familien mit Babys liegen auf kaltem Beton, Menschen ohne Unterkunft irren durch die Stadt, schlafen jede Nacht woanders oder unregistriert in Zelten, in Parks oder bei Bekannten in überfüllten Wohnungen. Sie werden von Hostels trotz amtlichem Unterbringungsschein nicht mehr aufgenommen oder nach wenigen Tagen wieder vor die Tür gesetzt. Aufgrund großer Zahlungsrückstände und wirtschaftlich unzumutbarer Zahlungsziele. Vom Senat eingerichtete Notunterkünfte weisen die geflüchteten Menschen ab.
Vom LAGeSo und der Senatsverwaltung für GESUNDHEIT UND SOZIALES nicht versorgt werden: Hochschwangere Frauen, alte, gebrechliche Menschen, schwerbehinderte. Transgender, Menschen, die post-operativ bzw. posttransplantativ versorgt werden müssten, mit Lungenentzündung, Mukoviszidose oder Tuberkulose. Schwer traumatisierte Menschen.
Entgegen aller Ankündigungen seitens des Senats sind seit Wochen keine mobilen Teams in den Notunterkünften unterwegs, um die Registrierung vor Ort vorzunehmen und die Situation am LAGeSo als Erstaufnahmeeinrichtung zu entlasten. Effektiv werden maximal 250 Registrierungen am Tag vorgenommen. Die Folge: Menschen schlagen um sich, drängen und trampeln, um eine der begehrten Wartenummern zu ergattern.
Mangelnde bis gar keine Unterstützung der ehrenamtlichen Unterstützer*innen
Ehrenamtliche Helfer*innen sind weiterhin nur Gäste, werden geduldet, aber in keinster Weise von offizieller Seite unterstützt. Trotzdem sie nirgends mehr entbehrlich sind, weder am LAGeSo noch in den Notunterkünften. Wo immer auch Menschen stranden, aufgrund der staatlichen Ignoranz und Verweigerungshaltung.
• Es gibt keine personelle Unterstützung durch LAGeSo und/oder Senat zur Versorgung der tage- und wochenlang anstehenden geflüchteten Menschen außer der Lebensmittelversorgung durch einen Krankenhauscaterer.
• Weder LAGeSo noch Senat gewährleisten eine medizinische Versorgung der Menschen vor Ort, die über die seit Monaten vor Ort aufgebaute ehrenamtliche Infrastruktur an Ärzt*innen, Helfer*innen und Hebammen hinausgeht. Mit anderen Worten: Es gibt keine offizielle medizinische Versorgung. Stattdessen: Behinderung der freiwilligen Unterstützung durch internes Verwaltungschaos (siehe Versorgung mit Medikamenten).
• Es gibt von „Moabit hilft“ eine öffentlich einsehbare, täglich angepasste Bedarfsliste von dringend benötigten Gütern. Weder LAGeSo noch Senat stellen irgendwelche Güter zur Verfügung, nicht eine Decke, nicht ein Regenponcho, nicht eine Windel.
• Weder LaGeSo noch Senat bieten den Ehrenamtlichen Versicherungen zu ihren
Tätigkeiten an.
• Ehrenamtliche müssen aufgrund der angespannten Situation vom LAGeSo-Gelände abgezogen werden. Es findet keine Deeskalation seitens des LAGeSo statt.
• Der ehrenamtliche Verein „Freunde der Jugend und Familie e.V.“, der seit mehreren Wochen mit ca. 800-1500 warmen Abendessen pro Tag die Versorgung der ganztätig Wartenden ermöglicht, wird beim Veterinäramt von einem großen Caterer angezeigt und ausgebootet.
Menschenunwürdige Zustände auf dem LAGeSo-Gelände
• Ein vierjähriges, entkräftetes Kleinkind wird leblos im Gebäude aufgefunden und 20 Minuten lang reanimiert. Es war tagelang zum Warten gezwungen.
• Ein Mann wurde beim morgendlichen Einlass überrannt, schwer verletzt und musste reanimiert werden. Fast jeden Morgen werden Geflüchtete niedergetrampelt und verletzt bei dem Versuch im LAGeSo vorgelassen zu werden.
• Es gibt keine von der Senatsverwaltung organisierte Anlaufstelle für nachts ankommende Flüchtlinge. Für am Wochenende ankommende Flüchtlinge gibt es keinen Zugang zu Notunterkünften, nicht einmal für Familien, geschweige denn zu medizinischer und humanitärer Versorgung. Ohne freiwillige Helfer*innen und private Unterkünfte bleiben viele hundert Menschen ohne Obdach, ohne Verpflegung, nur mit einer öffentlichen Toilette gegen 50 Cent in der Umgebung des LAGeSO.
• Ein Kind mit Mukoviszidose soll in eine Gruppenunterkunft. Die Überleitung in eine Unterkunft für besonders Schutzbedürftige zieht sich Wochen hin, obwohl dies lebensgefährlich für das Mädchen ist. Eine Infektion zusätzlich zu diesem Krankheitsbild kann binnen einer Stunde zum Tod führen.
• Eine suizidale, schwerst katatonische Frau mit zwei Kindern, deren Säugling auf der Überfahrt ins Meer geworfen wurde, weil es schrie, wird erst nach einer Wartezeit von neun Tagen auf Druck und mehrfacher Intervention der ehrenamtlich arbeitenden Mediziner als Härtefall bearbeitet.
• Eine syrische Familie mit drei Kindern (3 Monate, 2 Jahre und 5 Jahre) wird aus der Unterkunft Motardstraße trotz Kostenübernahme des LAGeSo weggeschickt. Der Betreiber verweigert eine Aufnahme, da sie überbelegt sind. Die Ausstellung einer neuen Kostenübernahme durch das LAGeSo wird wochenlang verweigert.
• Ein tschetschenischer, schwerst körperbehinderter Familienvater wird trotz ärztlich bescheinigter Reiseunfähigkeit nach Eisenhüttenstadt umverteilt. Seine 14jährige Tochter hat einen Herzfehler, der vorerst unbehandelt bleibt, da das angesetzte MRT nur in Berlin durchgeführt werden kann. Trotz besonderer Schutzbedürftigkeit wird die Umverteilung nicht ausgesetzt.
Die Senatsverwaltung und ihre nachgeordneten Behörde (LAGeSo) versagen auf ganzer Linie
• Verzweifelte Geflüchtete kommen immer wieder zum LAGeSo zurück. Sie leiden Hunger, da sie keine Unterkünfte finden, Unterkünfte keine Kochmöglichkeiten haben und Barauszahlungen ausbleiben. Alle Folgetermine zur Geldauszahlung sind auf 9.00 Uhr morgens angesetzt. Die Termine sind durch die kollabierte Behörde nicht zu halten. Die Geflüchteten warten tagelang auf Geldzahlungen der Leistungsabteilung, Verlängerung der Kostenübernahme oder auch Röntgen zur Tuberkuloseprävention. All diese Menschen teilen sich das offene Gelände mit den täglich neu hinzukommenden Flüchtlingen. Die Anspannung steigt mit jedem Tag mehr.
• Minderjährige Alleinreisende erhalten am LAGeSo eine Wartenummer statt in die entsprechende Unterkunft für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge geleitet zu werden. Die Unterkunft Motardstraße schickt Jugendliche wegen Überfüllung in die Obdachlosigkeit und verantwortet mit diesem Verhalten die Gefährdung der besonders schutzbedürftigen Jugendlichen (Bedrohung, körperliche Übergriffe).
• Weder LAGeSo noch Senat stellen einen Schutz vor den nun bereits spürbar kälteren Temperaturen für die Flüchtlinge. Nach wie vor warten die Menschen im Freien. Kein witterungsbeständiger Warteraum ist zugänglich. Geschütze Wartebereiche stehen seit Wochen zur Verfügung, werden zur Nutzung aber nicht freigegeben.
• Fertig gestellte Unterlagen werden unvollständig ausgegeben
(Krankenscheine fehlen, Geldauszahlungen bleiben aus, Kostenübernahmen werden nicht verlängert oder sind ungültig). Es gehen Unterlagen mehrfach verloren. Das LAGeSo arbeitet weiterhin nur mit Papierakten.
• Weder LAGeSo noch Senat stellen deeskalierende Konzepte für die angespannte Situation unter den Wartenden. Die Verantwortung wird der Polizei und einem privaten Sicherheitsunternehmen übertragen, deeskalierend einzuwirken. Die Personaldecke ist keinesfalls dazu ausgelegt.
• Es gibt nach wie vor für Hunderte von wartenden Menschen nur eine Wartenummerntafel in einem witterungsungeschützten Bereich. Warum wird nicht eine weitere Nummernanzeige z.B. im Essenszelt oder anderen Bereichen aufgestellt, damit die Lage entspannt wird?
• Es gibt weiterhin keine Ausschilderungen zu den Sanitärbereichen in den Häusern A und J
• Ausgabe von Unterlagen ausschließlich auf Deutsch
• Ausgabe von wertlosen Hostel/Hotelscheinen (s.o.).
„Moabit hilft“ stellt Forderungen an die politisch Verantwortlichen
Täglich werden seitens der Verantwortlichen aus dem Senat Gesetze gebrochen. Wir fordern den Senat auf, sich an die Gesetzeslage zu halten und Lösungen humaner Art sowohl für registrierte wie für unregistrierte Geflüchtete zu finden. Ansonsten verdient die „Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales“ die eigene Bezeichnung nicht.
Der Senat muss endlich ein tragfähiges Konzept vorlegen statt weiter am Flickenteppich zu basteln! Das kollabierte System kann nicht länger pro forma aufrechterhalten werden. Es müssen politische Konsequenzen gezogen werden.
Wir fordern von Herrn Czaja, Herrn Gerstle, Herrn Müller und Herrn Glietsch nach monatelangem Taktieren und dem Verschleppen von Entscheidungen endlich ihrer politischen Verantwortung nachzukommen. Als politische Entscheider tragen sie die volle Verantwortung für die katastrophale Situation, den Unmut, die Unruhe, die immer größer werdende Anspannung und das Leid am LAGeSo und in den Notunterkünften. Frei nach Molière: die politischen Entscheider sind nicht nur verantwortlich für das, was sie tun, sondern auch für das, was sie nicht tun!
Muss erst das erste Kleinkind erfrieren oder sich ein Mensch aus purer Verzweiflung etwas antun?
Wir erwarten Lösungen. JETZT!
„Moabit hilft“ dankt ausdrücklich allen Helfer*innen, Unterstützer*innen und Freund*innen, die täglich das Schlimmste verhindern. Wir danken allen von ganzem Herzen für ihren beispiellos langen Atem und für ihr Mensch-Sein.
Auch deshalb sagen wir Ehrenamtlichen:
Es reicht!
Wir rufen auf zur Demonstration am 17.Oktober 2015 um 14:30 Uhr am Alexanderplatz/Neptunbrunnen.
Bürger*Innen, erscheint zahlreich, bringt Banner mit, erklärt euch solidarisch, unterstützt uns, unterstützt die Geflüchteten.
Flüchtende Menschen sind kein Hilfsprojekt.
Wir fordern den Respekt ein, den man uns allen entgegenzubringen hat.
„Moabit hilft“ erklärt sich solidarisch mit den geflüchteten Menschen. Refugees welcome!
Die Bürgerinitiative „Moabit hilft“  (e.V. i.G.) setzt sich seit 2013 für geflüchtete Menschen ein. Zunächst, um den Neuankömmlingen einen guten Start im Kiez Moabit zu ermöglichen, Sachspenden zu organisieren und für menschenwürdige Unterkünfte zu sorgen. Seit über zwei Monaten stellt „Moabit hilft“ mit hunderten ehrenamtlichen Helfer*innen die Versorgung und medizinische Betreuung der geflüchteten Menschen am LAGeSo sicher.
Pressekontakt:
Moabit hilft e.V. i.G., Diana Henniges (Mobil 0151 28 00 51 50. Email [email protected])
Pressekonferenz:
Freitag den 9.10.2015 um 13 Uhr
Am Haupteingang des Landesamt für Gesundheit und Soziales
Turmstraße 21 ,10559 Berlin

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22.08.2015
„Moabit hilft“ stellt mit sofortiger Wirkung alle koordinierenden Tätigkeiten ein und übergibt diese an die verantwortlichen Hauptamtlichen.
Diese setzen sich aus LaGeSo, Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Johanniter, Caritas, der Berliner Immobilien Gesellschaft (BIM) und der Ärztekammer als temporärer Unterstützer zusammen.

Hintergrund:
Am Donnerstag dem 20.08.15 traf sich um 16.00 Uhr eine Arbeitsgruppe :
Anwesende: Hr. Schauer <Johanniter>, Hr. Thiel <Vertretung Herr Allert, LaGeSo>, Fr. Kostner <LaGeSo, Pressesprecherin>, Fr. Oehlert <LaGeSo>, Hr. Thomes <Caritas>, Hr. Schlüter <BIM>, Fr. Kratz <Gegenbauer>, Hr. Dr. Hanke <Bezirksbürgermeister Mitte>, Fr. Meyer <Flüchtlingskoordinierung>, Fr. Viehöfer, Hr. Korkmatz <DAK Med. Schwesternschaft>, Fr. Henniges, Fr. Beckmann <“Moabit hilft!“>

Themen, die wir zur Klärung seit Wochen eingefordert hatten, standen auf der Agenda.

Hygiene – verantwortlich LaGeSo/ Gegenbauer/ Berliner Immobilien Gesellschaft (BIM)
„Moabit hilft“ stellt die ehrenamtliche Müllbeseitigung ein.
Es wurde klargestellt, dass die Toiletten- Hygienesituation untragbar ist. Die Firma Gegenbauer verpflichtete sich zu einer Stand-by-Reinigung der Toilettenbereiche – voraussichtlich ab Mittwoch 26.08.15 – um zukünftige Hygieneprobleme auszuschließen. Das Haus J wird durch Öffnung Geflüchteten zugänglich gemacht. Somit stehen 4 Toiletten mehr zur Verfügung.
Darüber hinaus wurde zugesagt, dass zeitnah eine klar ersichtliche und in allen Sprachen erkennbare Ausschilderung <ggf. durch Clipart-Darstellungen> zu den öffentlichen Toiletten und dem Wickelraum in den Gebäuden angebracht wird.
Die Dixietoiletten sind kurzfristig gegen eine hygienische Lösung auszutauschen, idealerweise gegen weitere Toilettencontainer. Hier ist momentan die lange Lieferzeit das Problem. Liefertermin vermutlich 01.09.2015.
Medizinische Versorgung – verantwortlich LaGeSo/Johanniter/Ärztekammer:
Die desolate medizinische Versorgung der Geflüchteten soll durch einen festen MediPoint der Johanniter in Absprache mit der Ärztekammer betrieben werden. Die Finanzierung ist noch immer nicht gesichert. Ein Kostenvoranschlag hierzu liegt der Senatsverwaltung vor.
Herr Dr. Hanke bestätigt, dass die Finanzen nicht das Problem darstellen und man da gesprächsbereit ist.
Um die unsäglichen Bedingungen für die vorerst immer noch ehrenamtlichen Ärzte zu verbessern, wird ein professionelles Versorgungszelt neben dem Haus A errichtet.
Hier gibt es neben Feldbetten auch Trennwände. Der Rettungswagen der Johanniter wird direkt daneben zugänglich sein.
Die Ärztekammer hat sich bereit erklärt, zur Hilfe auf dem Gelände aufzurufen. Die Schichtpläne hierzu werden von einer Ansprechpartnerin des LaGeSo geführt.
„Moabit hilft“ unterstützt gerne weiter zusätzlich mit ehrenamtlichen Sprachmittlern bzw. bei Bedarf mit Ärzten.
Die ehrenamtlichen Ärzte, Hebammen, Pfleger*innen können durch „Moabit hilft“ motiviert, aber müssen durch die LaGeSo letztendlich akzeptiert und geduldet werden.
Darüber hinaus bietet die Caritas an, den Ärzten einen Raum im Haus C zur Verfügung zu stellen.
„Moabit hilft“ stellt sowohl die Koordinierung als auch Aufrufe zu Spenden durch Ärzte von verschreibungspflichtigen Medikamenten ein.
Die Materialien und die Koordinierung wird von den Johannitern im Laufe der 35. KW 2015 übernommen.
Hierzu gab es ein weiteres Treffen mit der Ärztekammer am Freitag dem 23.08.2015
In Anlehnung die PK vom 18.08.15 [http://www.aerztekammer- berlin.de/40presse/10_Pressemitteilungen/698_Sofortmassnahmen-fuer-Fluechtlinge/index.shtml]
Zukünftig soll ein Erstcheck der neu eingetroffenen Flüchtenden eingerichtet werden.
Zur Unterstützung wurde seitens der Caritas angeregt, ein mehrsprachiges Kartensystem zu verwenden, damit Basisfragen zum Wohlbefinden schnell geklärt werden können.
Aufgrund rechtlicher Bedenken müssen diese Übersetzungen durch das LeGeSo beauftragte Übersetzer*innen erfolgen.
Sozialbereich – verantwortlich LaGeSo/Caritas:
Die Caritas übernimmt die Verantwortung für einen Frauen/Mutter/Kind-Bereich im Haus C. Hier wird sowohl die Betreuung von Kindern, als auch ein Ruhebereich für Schwangere zur Verfügung gestellt werden.
Darüber hinaus werden die Mitarbeiter*innen sich den Schutzbedürftigen annehmen und einerseits für ein verkürztes Anmeldeverfahren aber auch die gesicherte Unterkunft sorgen. Die Caritas wird mit mindestens 3 Mitarbeitern vor Ort sein.
Seitens Herrn Dr. Hanke wurde die Unterstützung von dem Sozial-Psychologischen-Dienst ebenso zugesagt wie von Hebammen über das Gesundheitsamt.
In Aussicht stellte er ebenso die „Kiezmütter“ und/oder „Integrationslotsen“.
„Moabit hilft“ hat der Caritas zugesagt bei einem Bedarf an Ehrenamtlichen weiterhin aufzurufen. Man konnte aber bereits aussagen, dass bei bereits vor Ort tätigen Ehren- amtlichen eine große Bereitschaft besteht, die Caritas zu unterstützen.
Dieses gilt ebenso für Übersetzer*innen.
„Moabit hilft“ stellt auch die Koordinierung im Sozialbereich ein.
Verpflegung – verantwortlich LaGeSo :
„Moabit hilft“ stellt die Akquirierung, Herstellung, Verteilung von Verpflegung für die wartenden Menschen vor dem LaGeSo ein.
Die Johanniter legten ein Angebot vor, welches nicht befriedigend war. Hier konnte keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden.
Man verständigte sich darauf, dass die LaGeSo/Johanniter eine weitere Woche zur Lösungsfindung benötigen.
„Moabit hilft“ hat sich bereit erklärt, den Kontakt zwischen ihrem Caterer <Food-Truck> und dem LaGeSo herzustellen, damit eine Übergangslösung für eine Woche gefunden werden kann.
Hier kann berichtet werden, dass der Truck für eine weitere Woche verbleibt und einmal zur Mittagszeit Essen für ca. 1500 Menschen gekocht wird.
„Moabit hilft“ ist der Ansicht, dass eine einmalige Essensausteilung am Tag nicht ausreicht und appelliert hier an das LaGeSo, zeitnah eine Lösung zu finden.
Im Hofbereich wird an Stelle des bisherigen Wasserhahns ein Trinkbrunnen aufgebaut. Fertigstellung und Nutzbarkeit 24.08.2015.
Allgemeine Themenpunkte:
*) Den Verantwortlichen ist bekannt, dass das Verteilten von Hostel/Hotelscheinen in die direkte Obdachlosigkeit führt. Hier wurde seitens der Verantwortlichen keine Lösung angeboten.
Der Forderung von „Moabit hilft“ einer Einstellung der Ausgabe dieser Scheine wird nicht entsprochen.
Den Verantwortlichen ist nach eigener Aussage klar, dass sie damit dem gesetzlichen Auftrag, flüchtende Menschen vor der Obdachlosigkeit zu bewahren, nicht nachkommen. Wir von „Moabit hilft“ verurteilen diese Handhabe aufs Schärfste und sehen neben dem LaGeSo den Senat, hier Ressort Gesundheit und Soziales, in Persona Mario Czaja als verantwortlich bzw. verursachend.
Die Erstattung einer Anzeige wird von „Moabit hilft“ erwogen.
*) Eine Schutzbedürftigkeit von Geflüchteten ist besser zu definieren.
Auf Hinweis von „Moabit hilft“ wurde einstimmig festgestellt, dass Queer-Flüchtenden diese zu Teil wird.
Wie man ein Erkennen fördern kann, um zu helfen, konnte noch nicht abschließend erarbeitet werden.
Ein Vorschlag von „Moabit hilft“ ging an die Caritas, dass man im Sozialbereich Haus C die Kennzeichnung mit einem roten Kreuz <Hinweis auf Arzt>, Rollstuhl-Clipart <Schutzbedürftigenanlaufpunkt für körperlich/geistig eingeschränkte Flüchtende> um eine Grafik erweitert, die auf einen sicheren Anlaufpunkt für Queer-Menschen hinweist.
*) Es werden zeitnah großflächige Informationstafeln im Wartebereich aufgestellt, welche mehrsprachig in den anzutreffenden Landessprachen der Besucher die Prozedere beim LaGeSo erklärt.
*) Da die Besucher*innen des LaGeSo momentan nicht zu trennen sind in Erstvorsprache, wiederholter Termin usw. kam man überein, dass die Besucher*innen nicht zu trennen sind und eine soziale, medizinische und verpflegende Versorgung allen zukommen muss. Hier ist seitens des LaGeSos eine strukturierte und übersichtliche Lösung zu finden.
*) Es soll ein weiteres Gebäude für die LaGeSo erschlossen werden. Im Blick ist ein bereits anvisiertes Objekt mit Ziel der Verlagerung von 200 Mitarbeiter*innen zur Auslagerung von BUL oder ZLA
*) Auf dem Gelände Turmstraße 22 werden Wartebereiche in Form von 2 Zelten eingerichtet, damit Angekommene sicher vor Wettereinflüssen sind.
*) „Moabit hilft“ wird das Haus R bis Mittwoch besenrein übergeben. Die übergebenen Sach- und Essensspenden werden sowohl der Caritas als auch anderen Bedarfsstellen übergeben oder für spätere Einsätze eingelagert.
FAZIT
„Moabit hilft“ ist froh, dass nach monatelangem Versagen seitens der Politik und mehr als zwei Wochen ehrenamtlicher Tätigkeit nun endlich die ersten Schritte in Richtung respektvoller Umgang mit flüchtenden Menschen erreicht sind.
Diese sind aber bei weitem noch nicht die Lösungsmodelle, die zufrieden stellender Natur sind. Aus diesem Grund werden wir weiterhin wachsam sein, uns in unserer Arbeit für Geflüchtete nicht bremsen lassen und immer wieder auf Missstände hinweisen.
Wir sind weiterhin der Finger in der offenen Wunde, denn die menschliche Würde scheint wieder antastbar und das mitten in Berlin.

Abschließendes Wort:
„Es ist eine traurige Tatsache: Man muss das Menschliche und die Menschlichkeit immer gegen die Menschen verteidigen.“
(Zitat: Jakob Boßhart)
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17.08.2015
Weiterhin erschütternde Zustände auf dem Gelände des LaGeSo.
Die Geflüchteten und „Moabit hilft!“ werden weiterhin vertröstet

Grundversorgung mit Lebensmitteln und Wasser muss immer noch durch private Spenden sichergestellt werden
Professionalisierung der Hilfsmaßnahmen wird vorsätzlich verhindert, kaum Kommunikation mit den freiwilligen Helfern von offizieller Seite
medizinische Notfälle auf dem Gelände: Suizidversuche, Totgeburt, Knochenbrüche, unbehandelte schwere Kriegsverletzungen
Epidemiegefahr durch unbehandelte und unkontrollierte Infektionskrankheiten
Permanente Missachtung der im Deutschen Grundgesetz festgeschriebenen Grundrechte und der in der UN Resolution 217 A (III) weltweit anerkannten Menschenrechte in Berlins Stadtmitte
Hilfsorganisationen nehmen ihre humanitären Verpflichtungen nicht wahr

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Sozialsenator Mario Czaja sowie der Leiter des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Franz Allert lassen die Lage vor dem LaGeSo weiter eskalieren.

Die klaren Forderungen von „Moabit hilft!“, die seit über einer Woche die Organisation und Koordination der humanitären Hilfe der Geflüchteten übernommen hat, sind folgende:

Medizinische und ärztliche Grundversorgung
Versorgung der Geflüchteten mit Lebensmitteln (unter Beachtung konfessioneller Vorgaben)
Vor der Witterung schützende Räumlichkeiten
Rückzugsmöglichkeiten/Schutzräume für Frauen und Kinder
Ausreichende Toiletten und Duschmöglichkeiten
Garantierte Unterbringung der Geflüchteten auch über das Wochenende
Keine Herausgabe wertloser, da nirgendwo akzeptierter Hotelgutscheine
Unterstützung und Aufstockung der LaGeSo Mitarbeiter
Sicherstellung der körperlichen Unversehrtheit der Geflüchteten auf dem LaGeSo Gelände
Ausreichende Sprachmittler auf dem Gelände
Betreuung von besonders schutzbedürftigen Geflüchteten

Durch unsere Arbeit der letzten Woche auf dem LaGeSo-Gelände wurden wir Zeugen von unterlassenen Hilfeleistungen eines beschämenden und katastrophalen Ausmaßes.